Arbeitsalltag und Routine.
Ich bin in Bolivien angekommen, habe
mich bereits den bolivianischen Zeitverhältnissen angepasst, habe
noch nie unroutinierter, ungeplanter, ungewisser und unstrukturierter
in den Tag hinein gelebt und fühle mich dennoch sehr wohl. Und nun
endlich Ausschnitte aus diesem besagten abwechslungsreichen Alltag:
„Tu eres una artista!“/„Du
bist also Künstlerin!“
Ist immer eine der ersten Aussagen die
kommen, sobald man sich als Freiwillige von ARTErias Urbanas outet.
Unterstützend kommt hinzu, dass ich tatsächlich auch noch das
passende Bild dazu abgebe, Farbkleckse an Kleidung und Haut verraten
mich. Bereits die Hälfte meiner mitgebrachten Kleidung habe ich an
die Farbwelt verloren, bzw. mit einer persönliche Note dazu
gewonnen.
Ich und das Künstlerdasein, da muss
ich doch tatsächlich ein wenig schmunzeln. Das ich Kunst seit der 9.
Klasse abgewählt und so seit Jahren keine wirkliche praktische
Erfahrung mehr hatte, verschwieg ich meistens lieber. Es passiert
gar nicht selten, dass mir Bleistift, Pinsel, Spraydose oder Computer
mit höchst komplizierten Photoshop Programmen in die Hand gedrückt
werden um Skizzen anzufertigen, Mauern zu bemalen, Flyer zu erstellen
oder Plakate zu designen. Umgeben von einem Haufen wirklich ganz
ausgezeichneter Künstler, sträuben sich mir Anfangs jedes mal die
Nacken Haare, wenn es an der Zeit war mein künstlerisches „Können“
zu beweisen. Als ich mich versucht habe aus der Photoshopnummer raus
zu reden bekam ich jedoch eine Antwort die mich umdenken lies:
„Aprendemos en camino“ so Sinngemäß „Wir lernen auf dem Weg“.
Mittlerweile bin ich für jede Möglichkeiten, die ARTErias mir
bieten meinen Erfahrungsmangel in Nu aufzuholen, dankbar und
begeistert, meine kreative Ader überschlägt sich vor Freude. Die
wohl interessantesen Projekte, die im letzten Monat von ARTErias
durchgeführt wurden, waren das farbliche Gestalten zweier
Schulmauern. Die Hingabe mit der die Kinder die Farbe an die Wand
brachten war wirklich erfrischend.
ARTErias besitzt auch ein Gemüsebeet,
beziehungsweise ein großes „HUERTO“ (Gemüsebeet) Schild, das
bis jetzt noch ein Fleck Erde hinter auf dem Gelände ausschildert.
Wir Freiwilligen werden in den Prozess des Gemüsebeets heranzüchten
mit eingebunden, doch außer ein wenig harken und Steine schleppen
ist bis jetzt noch nicht viel passiert.
Neben dem künstlerischen Ausleben hier
gibt es natürlich auch Organisatorisches zu erledigen. Die
Sommerferien (Novermber bis Februar) stehen vor der Tür und somit
auch die in ihnen beginnenden Kinderworkshop. Zu meinen wichtigsten
Aufgaben gehört zurzeit, das Planen der “Talleres“. Es gilt ein
Thema zu finden, Ideen zu sammeln, eine Altersgruppe festzulegen,
Material zu beschaffen, nicht immer funktionierende Bastelproben
anzufertigen und ganz wichtig alles schriftlich festzuhalten.
Zusammen mit den zwei anderen
Freiwilligen Sophia und Hannes veranstalten wir den “Ciclo de
Cine”. Jeden Samstag gibt es einen Film für Kinder auf dem Gelände
von ARTErias und jeden Mittwoch zeigen wir einen Film für Erwachsene
in einer Bar in der Innenstadt. Wir suchen uns immer monatliche
Themenreihen aus, so laufen in den kommenden Monaten zum Beispiel
Filme über “Las Culturas del mundo“, “Feminismo“
,“Medioambiente“
Auch hier gibt es immer viel zu
organisieren, Werbung zu machen und die immer sehr stark variierende
Zuschaueranzahl mit Getränken und Essen zu versorgen. Ein durchaus
riskantes Vorhaben, denn kalkulierbar ist die Zuschaueranzahl nun
wirklich nicht, wie Schade, dass am Ende oft noch Essen über ist
welches wir dann wohl selbst verputzen müssen.
Passend zum Filmthema “kochen“ wir
gemeinsam, je nachdem welche Küchengeräte gerade so vorhanden
und/oder benutzbar sind, auf kreativste Weise Köstlichkeiten die wir
dann zum Verkauf anbieten. So haben wir die Fleisch-liebenden
Bolivianer schon an Falafel und vegane Bohnen-Burger herangeführt
und sind durchaus, mas o menos, auf Begeisterung gestoßen. Aber über
die Bolivianische Esskultur und mein Überleben als Vegetarierin hier
wird es sich an anderer Stelle drehen...Ihr seht, ich würde gern
noch soooo viel mehr berichten und meine Erlebnisse auch für mich in
Worten verarbeiten. Ich versuche in Zukunft mir ein wenig mehr Zeit
fürs schreiben frei zu halten und so werdet ihr hoffentlich ganz
bald neues von mir hören.
Ich sende sonnige Grüße aus Santa
Cruz. Fühlt euch da wo ihr gerade seid ganz ganz arg von mir
gedrückt.
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