Mittwoch, 26. Oktober 2016

Arbeitsalltag und Routine.

Arbeitsalltag und Routine.
Ich bin in Bolivien angekommen, habe mich bereits den bolivianischen Zeitverhältnissen angepasst, habe noch nie unroutinierter, ungeplanter, ungewisser und unstrukturierter in den Tag hinein gelebt und fühle mich dennoch sehr wohl. Und nun endlich Ausschnitte aus diesem besagten abwechslungsreichen Alltag:

Tu eres una artista!“/„Du bist also Künstlerin!“
Ist immer eine der ersten Aussagen die kommen, sobald man sich als Freiwillige von ARTErias Urbanas outet. Unterstützend kommt hinzu, dass ich tatsächlich auch noch das passende Bild dazu abgebe, Farbkleckse an Kleidung und Haut verraten mich. Bereits die Hälfte meiner mitgebrachten Kleidung habe ich an die Farbwelt verloren, bzw. mit einer persönliche Note dazu gewonnen.
Ich und das Künstlerdasein, da muss ich doch tatsächlich ein wenig schmunzeln. Das ich Kunst seit der 9. Klasse abgewählt und so seit Jahren keine wirkliche praktische Erfahrung mehr hatte, verschwieg ich meistens lieber. Es passiert gar nicht selten, dass mir Bleistift, Pinsel, Spraydose oder Computer mit höchst komplizierten Photoshop Programmen in die Hand gedrückt werden um Skizzen anzufertigen, Mauern zu bemalen, Flyer zu erstellen oder Plakate zu designen. Umgeben von einem Haufen wirklich ganz ausgezeichneter Künstler, sträuben sich mir Anfangs jedes mal die Nacken Haare, wenn es an der Zeit war mein künstlerisches „Können“ zu beweisen. Als ich mich versucht habe aus der Photoshopnummer raus zu reden bekam ich jedoch eine Antwort die mich umdenken lies: „Aprendemos en camino“ so Sinngemäß „Wir lernen auf dem Weg“. Mittlerweile bin ich für jede Möglichkeiten, die ARTErias mir bieten meinen Erfahrungsmangel in Nu aufzuholen, dankbar und begeistert, meine kreative Ader überschlägt sich vor Freude. Die wohl interessantesen Projekte, die im letzten Monat von ARTErias durchgeführt wurden, waren das farbliche Gestalten zweier Schulmauern. Die Hingabe mit der die Kinder die Farbe an die Wand brachten war wirklich erfrischend.

ARTErias besitzt auch ein Gemüsebeet, beziehungsweise ein großes „HUERTO“ (Gemüsebeet) Schild, das bis jetzt noch ein Fleck Erde hinter auf dem Gelände ausschildert. Wir Freiwilligen werden in den Prozess des Gemüsebeets heranzüchten mit eingebunden, doch außer ein wenig harken und Steine schleppen ist bis jetzt noch nicht viel passiert.

Neben dem künstlerischen Ausleben hier gibt es natürlich auch Organisatorisches zu erledigen. Die Sommerferien (Novermber bis Februar) stehen vor der Tür und somit auch die in ihnen beginnenden Kinderworkshop. Zu meinen wichtigsten Aufgaben gehört zurzeit, das Planen der “Talleres“. Es gilt ein Thema zu finden, Ideen zu sammeln, eine Altersgruppe festzulegen, Material zu beschaffen, nicht immer funktionierende Bastelproben anzufertigen und ganz wichtig alles schriftlich festzuhalten.

Zusammen mit den zwei anderen Freiwilligen Sophia und Hannes veranstalten wir den “Ciclo de Cine”. Jeden Samstag gibt es einen Film für Kinder auf dem Gelände von ARTErias und jeden Mittwoch zeigen wir einen Film für Erwachsene in einer Bar in der Innenstadt. Wir suchen uns immer monatliche Themenreihen aus, so laufen in den kommenden Monaten zum Beispiel Filme über “Las Culturas del mundo“, “Feminismo“ ,“Medioambiente“
Auch hier gibt es immer viel zu organisieren, Werbung zu machen und die immer sehr stark variierende Zuschaueranzahl mit Getränken und Essen zu versorgen. Ein durchaus riskantes Vorhaben, denn kalkulierbar ist die Zuschaueranzahl nun wirklich nicht, wie Schade, dass am Ende oft noch Essen über ist welches wir dann wohl selbst verputzen müssen.
Passend zum Filmthema “kochen“ wir gemeinsam, je nachdem welche Küchengeräte gerade so vorhanden und/oder benutzbar sind, auf kreativste Weise Köstlichkeiten die wir dann zum Verkauf anbieten. So haben wir die Fleisch-liebenden Bolivianer schon an Falafel und vegane Bohnen-Burger herangeführt und sind durchaus, mas o menos, auf Begeisterung gestoßen. Aber über die Bolivianische Esskultur und mein Überleben als Vegetarierin hier wird es sich an anderer Stelle drehen...Ihr seht, ich würde gern noch soooo viel mehr berichten und meine Erlebnisse auch für mich in Worten verarbeiten. Ich versuche in Zukunft mir ein wenig mehr Zeit fürs schreiben frei zu halten und so werdet ihr hoffentlich ganz bald neues von mir hören.


Ich sende sonnige Grüße aus Santa Cruz. Fühlt euch da wo ihr gerade seid ganz ganz arg von mir gedrückt.  

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