Ich
saß im Büro von ARTErias, die Vorbereitung der Ferienworkshops
liefen auf hohen Touren. Die Erstellung von Stundenplan,
Anmeldelisten, Anmeldebescheinigungen, Werbeflyer ect. gehörten zu
meinen Aufgaben. Ich saß also am Computer um dies und jenes zu
erledigen, als ein Junge mit seiner kleinen Schwester zu Tür hinein
kam. Der Junge interessierte sich für die Talleres, wir unterhielten
uns kurz, als er mich fragte welche der zehn Talleres ich den
anbieten würde.
„ARTE
Y MÚSICA“ und „ARTE LLEVABLE“.
„Arte
y música“ ist ein Taller für Kinder zwischen 5 und 10 Jahren. Wir
bauen kleine Instrumente wie Rasseln aus Pappmasche und Reis,
Gummibänder werden zu Gitarrenseiten umfunktioniert, Kronkorken
ersetzen Schellen, mit Dosen und Luftballons wird getrommelt und auch
der Klassiker Regenmacher darf natürlich nicht fehlen.
„Arte
llevable“ (Tragbare Kunst) ist ein Taller in dem mit Wolle, Stoff
und Perlen verschiedenste Sachen wie Ketten, Armbänder oder
Windspiele gebastelt werden. Die Perlen sollen dabei auch selbst
hergestellt werden. Die Kinder werden an Techniken wie Nudeln
einfärben, Salzteig herzustellen und backen oder Papierperlen
kleistern herangeführt.
Aber
zurück zu meinem Erlebnis im Oficina. Ich erklärte dem Jungen also,
dass der erste Taller nur für Kinder bis 10 sei, dass er mit seinen
12 Jahren natürlich trotzdem teilnehmen könnte, die anderen aber
dann jünger als er seien. Als ich ihm dann mit Beispielbildern
erklärte, dass der andere Taller die Herstellung von Ketten und
Armbändern beinhaltet, befürchtete ich schon den potenziellen
Teilnehmer verloren zu haben. Über die Selbstverständlichkeit mit
der ich davon ausgegangen bin, dass der Junge einen solchen Kurs
nicht besuchen möchte, unter dem Einwand, dass das doch nur was für
Mädchen sei, habe ich mich im Nachhinein ein wenig geärgert und um so
mehr habe ich mich gefreut als der Junge mit strahlenden Augen
erzählte wie schön und interessant er die Bilder fände und er mit
seiner Mama reden wird um sich dann für meinen Taller anzumelden.
Denn natürlich ist Ketten und Armbänder knüpfen nicht nur was für
Mädchen. Dass der Junge den Taller trotzdem besuchen möchte der ihm
gefällt, egal ob Ketten und Armbänder uns als „Mädchenkram“
verkauft werden, fand ich wirklich beeindruckend. Nehmen wir uns ein
Beispiel an dem Jungen, stereotypisieren wir weniger und lassen wir
Menschen Menschen sein. Ich für meinen Teil freue mich schon
außerordentlich auf meine eigenen Talleres und bin gespannt was ich
von den Kindern lernen, ihnen aber auch mitgeben kann.