Montag, 5. Dezember 2016

Talleres.

Ich saß im Büro von ARTErias, die Vorbereitung der Ferienworkshops liefen auf hohen Touren. Die Erstellung von Stundenplan, Anmeldelisten, Anmeldebescheinigungen, Werbeflyer ect. gehörten zu meinen Aufgaben. Ich saß also am Computer um dies und jenes zu erledigen, als ein Junge mit seiner kleinen Schwester zu Tür hinein kam. Der Junge interessierte sich für die Talleres, wir unterhielten uns kurz, als er mich fragte welche der zehn Talleres ich den anbieten würde.

ARTE Y MÚSICA“ und „ARTE LLEVABLE“.
Arte y música“ ist ein Taller für Kinder zwischen 5 und 10 Jahren. Wir bauen kleine Instrumente wie Rasseln aus Pappmasche und Reis, Gummibänder werden zu Gitarrenseiten umfunktioniert, Kronkorken ersetzen Schellen, mit Dosen und Luftballons wird getrommelt und auch der Klassiker Regenmacher darf natürlich nicht fehlen.
Arte llevable“ (Tragbare Kunst) ist ein Taller in dem mit Wolle, Stoff und Perlen verschiedenste Sachen wie Ketten, Armbänder oder Windspiele gebastelt werden. Die Perlen sollen dabei auch selbst hergestellt werden. Die Kinder werden an Techniken wie Nudeln einfärben, Salzteig herzustellen und backen oder Papierperlen kleistern herangeführt.

Aber zurück zu meinem Erlebnis im Oficina. Ich erklärte dem Jungen also, dass der erste Taller nur für Kinder bis 10 sei, dass er mit seinen 12 Jahren natürlich trotzdem teilnehmen könnte, die anderen aber dann jünger als er seien. Als ich ihm dann mit Beispielbildern erklärte, dass der andere Taller die Herstellung von Ketten und Armbändern beinhaltet, befürchtete ich schon den potenziellen Teilnehmer verloren zu haben. Über die Selbstverständlichkeit mit der ich davon ausgegangen bin, dass der Junge einen solchen Kurs nicht besuchen möchte, unter dem Einwand, dass das doch nur was für Mädchen sei, habe ich mich im Nachhinein ein wenig geärgert und um so mehr habe ich mich gefreut als der Junge mit strahlenden Augen erzählte wie schön und interessant er die Bilder fände und er mit seiner Mama reden wird um sich dann für meinen Taller anzumelden. Denn natürlich ist Ketten und Armbänder knüpfen nicht nur was für Mädchen. Dass der Junge den Taller trotzdem besuchen möchte der ihm gefällt, egal ob Ketten und Armbänder uns als „Mädchenkram“ verkauft werden, fand ich wirklich beeindruckend. Nehmen wir uns ein Beispiel an dem Jungen, stereotypisieren wir weniger und lassen wir Menschen Menschen sein. Ich für meinen Teil freue mich schon außerordentlich auf meine eigenen Talleres und bin gespannt was ich von den Kindern lernen, ihnen aber auch mitgeben kann.